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Kapitel 61: Selbstprüfung DEV 245

Im Verhalten der Prediger ist gar vieles, das sie verbessern können. Viele sehen und empfinden ihr Zukurzkommen und scheinen dennoch in Unwissenheit über den Einfluß zu sein, der von ihnen ausgeht. Sie sind sich ihrer mangelhaften Handlungen wohl bewußt, denken aber nicht weiter darüber nach und ändern sich deshalb auch nicht. DEV 245.1

Christi Diener müssen die Taten eines jeden Tages sorgfältig erwägen und überblicken in der Absicht, mit ihren eignen Lebensgewohnheiten besser bekannt zu werden. Bei genauer Prüfung aller Umstände ihres täglichen Lebens würden sie die sie leitenden Beweggründe und Grundsätze besser kennen. Dieser tägliche Rückblick auf unser Tun, um zu erfahren, ob das Gewissen es billigt oder verdammt, ist für alle notwendig, welche die Vollkommenheit des christlichen Charakters erreichen wollen. Viele Handlungen, die als gute Taten gelten, selbst Wohltaten, erweisen sich bei genauer Untersuchung als von verkehrten Beweggründen geleitet. DEV 245.2

Viele empfangen ein Lob für Tugenden, die sie nicht besitzen. Der Herzenskündiger erwägt alle leitenden Gründe, und oft werden von ihm Handlungen als aus Selbstsucht und niedriger Heuchelei entspringend aufgezeichnet, denen von Menschen die größte Anerkennung gezollt wurde. Eine jede Handlung unsres Lebens, ob gut und lobenswert oder des Tadels berechtigt, wird vom Herzenskündiger nach den sie leitenden Beweggründen beurteilt. DEV 245.3

Etliche versäumen es, sich im Spiegel zu beschauen, der die Charakterfehler offenbart. Deshalb bestehen Zukurzkommen und Sünde weiter und sind andern sichtbar, selbst wenn die Betreffenden sie nicht verstehen. Die häßliche Sünde des Eigennutzes zeigt sich zu einem hohem Grade selbst in einigen, die vorgeben, sich dem Werke Gottes geweiht zu haben. Würden sie ihren Charakter mit Gottes Anforderungen, besonders nach dem großen Maßstab seines Gesetzes vergleichen, dann würden sie, wenn sie ernste, aufrichtige Forscher wären, sich vergewissern, daß ihnen unendlich viel mangelt. Einige sind aber nicht willens, weit oder tief genug zu schauen, um die Verderbtheit ihres eignen Herzens zu sehen. Es mangelt ihnen in mancher Hinsicht, aber sie bleiben aus absichtlicher Unwissenheit in ihrer Schuld. DEV 245.4

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Wer seinen Charakter richtig versteht, wer die Sünde, die ihn am leichtesten unterjocht und die Versuchungen, die ihn oft zu Fall bringen, erkennt, sollte sich nicht unnötig ihnen aussetzen oder Anfechtungen einladen, indem er Feindesboden betritt. Ruft ihn die Pflicht dahin, wo die Umstände ungünstig sind, so wird er auch besondre Hilfe von Gott empfangen und kann deshalb, völlig ausgerüstet für den Kampf mit dem Feind, vorangehen. DEV 246.1

Die Selbsterkenntnis bewahrt viele davor, in ernste Versuchungen zu geraten und verhindert manche schimpfliche Niederlage. Um aber mit uns selbst bekannt zu werden, müssen wir gewissenhaft die Beweggründe und Grundsätze unsres Verhaltens untersuchen und unsre Handlungen mit dem in Gottes Wort offenbarten Maßstab unsrer Pflicht vergleichen. DEV 246.2