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Wie man beten soll Sch1 195

Im Geist wurde mir gezeigt, daß im Krankheitsfall, wo dem Darbringen von Gebeten für den Kranken nichts im Wege steht, die Angelegenheit dem Herrn nicht in leidenschaftlicher Erregung, sondern in stillem Glauben übergeben werden sollte. Er allein ist mit dem vergangenen Leben des einzelnen vertraut und weiß, wie sich dessen Zukunft gestalten wird. Er, der die Herzen aller Menschen kennt, weiß, ob der Kranke, wenn er wieder gesund wird, seinen Namen verherrlichen oder ihn durch Abtrünnigkeit und Abfall entehren würde. Alles, was wir zu tun haben, besteht darin, Gott zu bitten, den Kranken zu heilen, wenn dies seinem Willen entspricht, und zu glauben, daß er die Gründe, die wir ins Feld führen, ebenso hört wie die aufrichtigen Gebete, die wir darbringen. Sieht der Herr, daß er dadurch wirklich geehrt wird, erhört er unsere Gebete. Aber es ist nicht recht, auf Genesung des Kranken zu drängen, ohne sich dem Willen Gottes unterworfen zu haben. Sch1 195.1

Was Gott verheißen hat, kann er zu jeder Zeit erfüllen, und auch die Aufgabe, die er seinen Kindern übertragen hat, kann er durch sie vollbringen. Leben sie getreulich nach jedem Wort, das er gesprochen hat, so wird sich jede Zusage und jede Verheißung an ihnen erfüllen. Mangelt es ihnen jedoch an völligem Gehorsam, bleiben die bedeutenden und kostbaren Verheißungen in weiter Ferne, und sie können die Erfüllung nicht erlangen. Sch1 195.2

Alles, was im Gebet für die Kranken getan werden kann, ist, Gottes Hilfe um ihretwillen ernstlich zu erbitten und in völligem Vertrauen die Angelegenheit seinen Händen zu überlassen. Wenn wir Unrecht in unserem Herzen dulden, wird der Herr uns nicht erhören; denn er kann mit den Seinen verfahren, wie es ihm beliebt. Er wird sich selbst verherrlichen, wenn er in denen und durch diejenigen wirkt, die ihm bedingungslos folgen, so daß man erkennen wird, daß es der Herr ist und daß ihre Werke in Gott vollbracht werden. Christus sprach: “Wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren.” Johannes 12,26. Wenn wir zu ihm kommen, sollten wir beten, daß wir seinen Willen erfassen und ausführen können und daß unsere Wünsche und Interessen in ihm ihren Mittelpunkt finden. Wir müssen bereit sein, seinen Willen anzuerkennen und ihn nicht bitten, uns gegenüber nachgiebig zu sein. Es ist besser für uns, Gott erhört unsere Gebete nicht immer, wann und wie wir es wünschen. Er vermag für uns mehr und Besseres zu tun, als all unsere Wünsche zu erfüllen, denn unsere Weisheit ist Torheit. Sch1 195.3

Wir scharten uns in ernstem Gebet um das Krankenbett von Männern, Frauen und Kindern und empfanden, daß sie durch die Erhörung unserer aufrichtigen Gebete vor dem Tode bewahrt blieben. Wir glaubten, in diesen Gebeten müßten wir zuversichtlich sein und dürften, wenn wir schon den Glauben auf die Probe stellen, nichts weniger als das Leben erbitten. Wir wagten nicht zu sagen: “Wenn es zur Ehre Gottes ist”, weil wir fürchteten, daß es den Anschein des Zweifels haben könnte. Besorgt haben wir die uns gewissermaßen von den Toten Zurückgegebenen beobachtet. Wir sahen etliche von ihnen, besonders junge Menschen, die gesund wurden, aber dann Gott vergaßen, ein zügelloses Leben führten, ihren Eltern und Freunden Kummer und Schmerz bereiteten und sogar denen zur Schande gereichten, die sich fürchteten zu beten. Sie lebten nicht zur Ehre und Verherrlichung Gottes, sondern sie schmähten ihn durch ihr lasterhaftes Leben. Sch1 196.1

Wir schreiben dem Herrn nicht länger den Weg vor, noch versuchen wir, ihm unsere Wünsche nahezubringen.[Der folgende Satz ist nach dem englischen Original zitiert.] Wir schreiben dem Herrn nicht länger den Weg vor, noch versuchen wir, ihn zu unseren Wünschen zu bekehren. Wenn ihn das Leben der Kranken verherrlichen kann, beten wir für die Erhaltung ihres Lebens; doch nicht unser Wille, sondern sein Wille geschehe. Unser Glaube kann genauso entschlossen und noch zuverlässiger sein, wenn wir unsere Wünsche dem allweisen Gott anheimstellen und ihm ohne fieberhafte Unruhe alles vertrauensvoll überlassen. Wir besitzen seine Verheißung. Wir wissen, daß er uns erhört, wenn wir, seinem Willen gehorsam, ihn anrufen. Die Gewährung unserer Wünsche dürfen wir Gott nicht gebieten, wir müssen sie von ihm erbitten. Sch1 196.2

Wenn die Gemeinde zusammenhält, wird sie mächtig und stark sein; doch sobald einige mit der Welt verbunden und manche dem Geiz ergeben sind, den Gott verabscheut, kann er nur wenig für sie tun. Unglaube und Sünde trennen sie von Gott. Wir sind so schwach, daß wir Gnadenerweise kaum ertragen; wir beanspruchten sonst zu leicht Ehre und schrieben uns Frömmigkeit und Gerechtigkeit zu als Folge des außergewöhnlichen Segens Gottes, dabei offenbart sich doch nur die große Gnade und Barmherzigkeit unseres mitleidsvollen himmlischen Vaters. Sie kam uns nicht zu, weil sich irgend etwas Gutes in uns gefunden hätte. Sch1 196.3

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Ich sah, daß Gott den Gebeten seiner Diener für die Kranken unter uns aus dem Grunde nicht noch mehr entsprach, weil er, solange die Kranken die Grundsätze gesunder Lebensführung mißachten, dadurch nicht verherrlicht werden kann. Ich sah auch, daß er Lebensreform und Heilanstalten dazu ausersehen hatte, den Weg für die völlige Erhörung des Glaubensgebetes vorzubereiten. Um unseren Kranken zu helfen, sollten Glaube und gute Werke Hand in Hand gehen und ihnen beistehen, damit Gott hier auf Erden verherrlicht werden kann und sie selbst bei der Wiederkunft Christi errettet werden. Gott verhüte, daß diese Leidenden je enttäuscht und gekränkt werden, wenn sie bemerken, daß die Leiter unserer Anstalten nur nach weltlichen Gesichtspunkten handeln, statt bei der ärztlichen Behandlung auch die pflegerische Gesinnung echter Väter und Mütter in Israel zu offenbaren. Sch1 197.1

Es soll niemand auf den Gedanken kommen, Sanatorien seien der Ort, zu dem man hingeht, um durch das Gebet des Glaubens gesund zu werden. Sie sind der Ort, wo man durch Behandlung und richtige Lebensgewohnheiten seine Gesundheit wiederfindet und lernt, wie man Krankheiten verhütet. Wenn es aber unter dem Himmel einen Ort gibt, wo, mehr als an allen anderen Orten, von hingebungsvollen und gläubigen Männern und Frauen mildernde und mitfühlende Gebete dargebracht werden, so ist es in solch einer Heilstätte. Wer Kranke behandelt, sollte in seiner wichtigen Tätigkeit mit starkem Gottvertrauen vorwärtsschauen, um durch Gottes Segen die Hilfsmittel zu erhalten, die er in seiner Güte vorgesehen hat und auf die er in seiner Barmherzigkeit unsere Aufmerksamkeit als Volk gelenkt hat, so z.B. frische Luft, Reinlichkeit, gesundheitsgemäße Kost, Arbeit und Erholung in bestimmten Zeitabständen und die Anwendung von Wasserkuren. Testimonies for the Church I, 561 (1867). Sch1 197.2